London
(pte, 3. Jan 2003)
Renommierte
britische Forscher haben in einem Artikel im Fachmagazin
British Medical Journal
BMJ behauptet,
dass weibliche Impotenz nur eine Erfindung der Pharmaindustrie
ist. Nach den Megaverkäufen von Viagra,
die der Herstellerfirma Pfizer seit 1998 1,5 Mrd. Dollar
gebracht
haben, will die Industrie auch mit den Frauen ein ähnlich
starkes Geschäft machen.
Die Pharmaunternehmen haben nach Ansicht von Ray Moynihan,
einem Co-Autor der Studie, so etwas wie weibliche sexuelle
Dysfunktion geschaffen, um diese dann mit neuen Medikamenten
behandeln zu können. "Weibliche Sexualprobleme werden
fälschlicherweise mit Medikamenten behandelt und die
Zahl dieser Behandlungen steigt stetig an", so der Wissenschaftler,
der auch kritisiert, dass viele Forscher zu eng mit der Pharmaindustrie
kooperieren, die Konferenzen sponsert und die Forschung zahlt.
"Ganze Kohorten von Wissenschaftlern mit engsten Verbindungen
zur Pharmaindustrie entwickeln bei Kongressen und Konferenzen
neue Krankheiten, die dann mit neuen maßgeschneiderten
Medikamenten wieder geheilt werden können", so Moynihan.
"Weibliche sexuelle Dysfunktion" definiere eine
Erkrankung, die keine ist. Änderungen der weiblichen
Sexualität nach einer erfolgten Geburt oder in lang dauernden
Beziehungen könne man wohl kaum als Krankheit bezeichnen.
Sandra Leiblum, Professorin für Psychiatrie an der Robert
Wood Johnson Medical School, schlägt in die gleiche Kerbe.
"Sexuelle Unzufriedenheit und Desinteresse sind bei Frauen
häufig vorhanden, das sind aber keine Krankheiten",
so die Spezialistin. John Bancroft, Direktor des Kinsey Instituts
an der Universität von Indiana, warnt vor der Gefahr,
sexuelle Probleme als Dysfunktion zu definieren. "Das
führt nämlich dazu, dass Mediziner Medikamente verschreiben,
während die Aufmerksamkeit eigentlich anderen Aspekten
im weiblichen Leben gelten soll." Als besonders ärgerlich
empfindet der Forscher den Umstand, dass Frauen dadurch eingeredet
wird, dass sie an Störungen leiden, obwohl es diese gar
nicht gibt", meint Bancroft.
John Dean, Forscher der British
Society for Sexual and Impotence Research,
erklärt gegenüber BBC-Online,
dass es eine Dysfunktion auch bei Frauen gebe, räumt
aber zugleich ein, dass die psychologischen und sozio-ökonomischen
Faktoren mindestens eine ebenso wichtige Rolle einnehmen.
Auch Dean hält von einer "Über-Medikation"
nichts. "Wer eine pathologische Erklärung für
etwas abgibt, lässt Menschen damit im Glauben, dass
es dafür auch eine Behandlung geben muss",
erklärt
Dean.
Quelle: pressetext.austria