Winston-Salem,
North Carolina (pte, 28. Mai 2003)
Aktuelle
Ergebnisse einer umfassenden Studie geben Kritikern der
Hormonersatztherapie
erneut Stoff. Demnach haben Frauen über 65 Jahren, die
eine Standard-Kombination von Östrogen und synthetischem
Progestin erhalten, ein doppelt so hohes Risiko eine Demenz
(u.a. Alzheimer) zu entwickeln. Bislang kamen Mediziner nach
Labor- und Tierexpermimenten bzw. kleineren Studien zu dem
Ergebnis, dass Östrogen eine Demenz bei postmenopausalen
Frauen aufhalten kann. Die neuen Erkenntnisse der Women's
Health Initiative Memory Study haben beim National
Institute on Aging zur Auffassung geführt,
dass die Kombination älteren Frauen als Schutz gegen
Demenz nicht mehr verschrieben werden sollte.
Die Hormonersatztherapie sollte ursprünglich dazu dienen,
nicht nur eine Demenz, sondern auch Herzerkrankungen sowie
einen Schlaganfall bei Frauen nach der Menopause zu verhindern.
Immer wieder tauchten aber Hinweise auf, dass die Vorteile
der Langzeitverwendung nicht bestehen oder die Nebenwirkungen überwiegen.
In der aktuellen Studie wurden die Daten von mehr als 4.500
Studienteilnehmerinnen über 65 Jahre vertiefend ausgewertet.
Die Analyse zeigte, dass sich im Lauf der seit 1995 startenden
Studie das Demenzrisiko durch Prempro verdoppelte. Prempro
wird von dem in Philadelphia ansässigen Konzern Wyeth
Pharmaceuticals hergestellt. Unter den 2.229 Hormontherapie-Patienten
kam es zu 40 Fällen von Demenz. Bei der Kontrollgruppe
wurden 21 Fälle gezählt. Das Demenzrisiko erhöhte
sich laut einer
Publikation im Fachblatt JAMA im
ersten Jahre nach dem Start der Hormontherapie. Am häufigsten
wurde - in beiden Gruppen - Alzheimer diagnostiziert. Weiters
kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Hormonersatztherapie
das Risiko von Schlaganfall um 31 Prozent erhöht.
Die Therapien wurden im Juli 2002 abgebrochen, da feststand,
dass die Hormongaben das Risiko von Brustkrebs, Schlaganfällen
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Patientinnen
erhöhen. Für jüngere Frauen liegen jedoch
keine entsprechenden Auswertungen vor, betonen die Wissenschaftler.