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folsäure spina bifida

Folsäure zur Prävention der
Spina bifida

 


In Österreich kommen etwa 100 Kinder jährlich mit Spaltbildungen der Wirbelsäule zur Welt - als Prävention gegen diese Krankheit hat sich die Folsäure als sehr erfolgreich erwiesen.

 
 
Folsäure gehört zum Vitamin B-Komplex und ist als Mikronutrient ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn die wesentlichen Bauteile des Embryos in den ersten Wochen der Schwangerschaft richtig zusammengestellt werden. Das Neuralrohr schließt sich 22 bis 28 Tage, nachdem das Kind gezeugt wurde. Wenn der Mikronutrient an entscheidenden Stellen fehlt, kommt es zu dieser Spaltbildungen.

Folsäure ist etwa in Orangen, Bananen, Spargel oder Brokkoli enthalten. Um die richtige Dosis zu erhalten, müssten diese aber ungewaschen oder ungekocht verzehrt werden. "Deswegen ist eine Vorbeugung mit Folsäureprophylaxen einfach, billig und effektiv. Aber es wird aus Unwissenheit nicht gemacht", erklärte Univ.-Prof. Dr. Norbert Pateisky, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG). Empfohlen werde eine tägliche Einnahme von 0,4 Milligramm des Vitamins. Und das vier bis sechs Wochen vor der Schwangerschaft und drei Monate danach. Frauen, die bereits ein Kind mit Spina bifida haben, sollten sogar vier bis fünf mg Folsäure pro Tag einnehmen.

"Die Erkenntnis über die Hilfe durch Folsäure ist nicht neu. Sie stammt aus den achtziger Jahren", sagte Univ.-Prof. Dr. Arnold Pollak, Vorstand der Universitätskinderklinik Wien. "Der Nutzen der Folsäure geht von der Prävention über die positiven Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem bis zur Vorbeugung gegenüber bestimmten Formen des Darmkrebses", so Pollak. Selbst positive Wirkungen hinsichtlich Depressionen seien berichtet worden. "Das sollte uns alle ermuntern, diese Präventionsmaßnahmen massiv zu unterstützen, zum Wohle der Kinder und der Familien."

Eine in der Kinderabteilung im Krankenhaus St. Pölten durchgeführte Umfrage ergab, dass nur ein bis zwei Prozent der Frauen wirklich präventiv Folsäure erhalten. "Weitere vier Prozent erhalten das Vitamin gerade noch rechtzeitig, das heißt bis zur vierten Schwangerschaftswoche", sagte Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Vorstand dieser Abteilung.

"Nach kanadischen Studien sind die Mütter von Kindern mit Spina bifida sehr jung, übergewichtig und stammen aus ärmlichen Lebensverhältnissen. Sie essen wenig Gemüse, viel Kartoffeln und Dosenfleisch sowie Süßigkeiten", erläuterte Univ.-Prof. Dr. Peter Schwärzler von der Universitätsfrauenklinik Innsbruck. Die meisten Fälle von Spina bifida werden in der kanadischen Provinz Neufundland registriert, wo pro Jahr vier von 1.000 Neugeborenen damit zur Welt kommen.

Da die obligatorische Einnahme von Folsäure allerdings nachweislich einen deutlichen Anstieg von Zwillingsgeburten zur Folge hat, haben schwedische Forscher jüngst eine Gegenrechnung erstellt. Danach hätte die Folsäureeinnahme durch 30.000 Frauen 225 zusätzliche Zwillingspärchen zur Folge. Diese Kinder hätten, wie bei Zwillingen häufig üblich, ein statistisch wesentlich höheres Risiko, zu früh, mit zu geringem Geburtsgewicht oder mit anderen Behinderungen zur Welt zu kommen. Gleichzeitig würden jedoch nur vier bis fünf Fälle von Spina bifida verhindert. Die Forscher um Bengt Kallen zogen daraus den Schluss, dass die Nachteile der Folsäure deren Vorteile überwiegen könnten.

© 2001 www.medaustria.at
Quelle: Wiener Zeitung, 29.10.2001
 
 

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